Titelbild eines barrierefreien Bads auf dem ein Grundriss zu sehen ist

Ein barrierefreies Bad planen: Ein Beispiel mit Normen

Alles was man wissen sollte um ein barrierefreies Bad zu planen: Normen, Mindestabmessungen, Eigenschaften und die 3D-Modelle zum Download

Das Thema Bad (oder Toilette) ist eines der zentralen Themen der barrierefreien Gestaltung: Die Planung eines barrierefreien Bads, erfordert Kenntnisse über Elemente wie Bewegungsflächen, Gesamtabmessungen, Einrichtungen, Zubehör, Verhältnis zwischen dem Verbindungsbereich und dem Badezimmer selbst.

In diesem Beitrag analysieren wir die Normen und grundlegende Aspekte, die bei der Planung zu berücksichtigen sind. Insbesondere werden wir folgende Aspekte beachten:

  • Mindestanforderungen;
  • Notwendigen Elemente;
  • Technische Eigenschaften

und zusätzlich stehen Ihnen kostenlos:

zum Herunterladen zur Verfügung.

Um das komplette mit Edificius realisierte Projekt, im EDF-Format zu öffnen, können Sie die Testversion kostenlos herunterladen.

Die Software Schnittstelle von Edificius welche ein Rendering des barrierefreien Bads zeigt

Innenrendering eines mit Edificius erstellten barrierefreien Bads

 

 

Analysieren wir jedoch zunächst, welche Anforderungen und Normen bei der Gestaltung eines barrierefreien und rollstuhlgerechtes Badezimmers berücksichtigt werden müssen und welche Eigenschaften diese Umgebung einhalten muss.

Barrierefreies Bad planen: Abstände und Bewegungsflächen

Ein Barrierefreies Bad muss vor allem eines: Platz und Sicherheit bieten. Für Rollstuhlfahrer ist dies besonders wichtig, da dieser genügend Platz zum Rangieren benötigt. Die Maße die dabei eingehalten werden müssen legt die DIN 18040 fest. Die Norm ist in zwei Teilen aufgeteilt, wobei sich Teil 1 mit öffentlich zugänglichen Gebäuden und Teil 2 mit Wohnungen befasst.

Jedoch hängt schlussendlich vieles von den jeweiligen Voraussetzungen vor Ort ab, wie z.B. der zur Verfügung stehende Raum und die verwendeten Elemente im Bad ab.

Grundsätzlich kann man sagen, dass „Barrierefrei“ nicht gleichbedeutend mit rollstuhlgerecht ist. Besonders ersichtlich wird dies in den Vorgaben erläutert: ein barrierefreies Bad muss mindestens eine Bewegungsfläche von 1.20m x 1.20m vor Waschtisch, WC, bzw. Badewanne oder Dusche aufweisen (die jeweiligen Flächen dürfen sich überschneiden) Die Durchgangsbreite der Türe sollte mindestens 0.80m betragen. Hingegen gilt ein Bad als „rollstuhlgerecht“, wenn die Maße 1.50m x 1.50m und 0.90m betragen.

Was auch möglich ist, auf Menschen mit anderen Handicaps einzugehen. Beispielsweise Menschen mit starker Sehschwäche: Hier können kostrastreiche Farben, die bei der Orientierung im Bad sehr behilflich sind, angewendet werden.

Hier sind die Mindestanforderungen nach DIN 18040-2 zusammengefasst:

Eine Tabelle die eine Zusammenfassung der Mindestanforderungen darstellt

Die wesentlichen Elemente eines barrierefreien Bads

Gehen wir nun auf die Ausstattung eines barrierefreien Bads ein:

  1. Toilette/WC;
  2. Haltegriff;
  3. Türe;
  4. Beschilderung an der Tür (Außenseite);
  5. Stützklappgriff;
  6. Waschbecken mit Unterputz-Siphon, flexibles Abflussrohr und Einhebelmischer;
  7. Spiegel mind. 100 cm hoch, mit Einsicht aus Sitz- und Stehposition.
progettare un bagno per disabili - pianta - elementi essenziali

Schema mit Elementen eines barrierefreien Bades mit Edificus  realisiert

Barrierefreies Bad planen: Waschbecken und Waschtisch

Menschen mit körperlichen Einschränkungen und Rollstuhlfahrer stellen an ein Bad und besonders an ein Handwaschbecken besondere Anforderungen. Auch hier spielt es eine wichtige Rolle ob das Bad behindertengerecht oder Rollstuhlgerecht sein soll. Damit Rollstuhlfahrer, sich selbstbestimmt im Bad bewegen können, muss der Waschtisch unterfahrbar sein. Diesbezüglich gibt es folgende Empfehlungen:

Eine Tabelle die als Planungshilfe für Waschtisch und Waschbecken dient

Armaturen

In einem barrierefreien Bad müssen Armaturen leicht und gefahrlos zu bedienen sein. Hierfür bieten sich an Waschbecken, Dusche und Badewanne Einhebelmischer an, welche nicht zu klein, ergonomisch so geformt sind, dass diese über einen bspw. über einen längeren Hebelarm verfügen, damit dieser leicht zu greifen oder ggf. mit dem Unterarm zu bedienen ist. Eine weitere Möglichkeit sind berührungslose Armaturen. Diese bieten einen maximalen Bedienkomfort und höchste Hygiene. Nach DIN 18040 dürfen berührungslose Armaturen nur in Verbindung mit Temperaturbegrenzung eingesetzt werden. Dabei muss die Einrichtung zur Begrenzung der Auslauftemperatur (z.B. durch Heißwasser- und Sicherheitssperren, Verbrühschutz/Eckventil-Thermostate) vorgesehen werden. Die DIN 18040-1, für öffentliche Gebäude begrenzt die Wassertemperatur bis zu 45 Grad Celsius.

Zusammenfassend sollten folgende Punkte beachtet werden:

  • Barrierefreies, unterfahrbares Waschbecken/Waschtisch. Dazu gehört auch ein Unterputz- oder ein Flachputzsiphos um die Verletzungsgefahr zu minimieren;
  • Ablageflächen rund um das Waschbecken/ Waschtisch und Steckdosen in Griffnähe vorsehen;
  • Empfehlenswert sind Armaturen als Einhebelmischer;
  • Armaturen mit Verbrühschutz bevorzugen;
  • Spiegel auf die richtige Höhe anbringen.
Ein mit Edificius erstellter Grundriss eines barrierefreien Bads

Beispielprojekt eines barrierefreien Bades: Mit Edificius erstellter Grundriss

Barrierefreie Toilette

Auch hier spielt der Platz eine wichtige Rolle. Gerade um die Toilette ist der Bewegungsfreiraum wichtig. Dieser sollte so bemessen sein, dass an beiden Seiten des WCs Stützklappgriffe montiert werden können.

Die Standardhöhe eines WCs beträgt in der Regel 42 cm. Die DIN 18040 empfiehlt hier, Sitzhöhen von 46-48 cm. So können sich bewegungseingeschränkte Menschen problemlos, sicher und schmerzfrei setzen und auch aufstehen. Eine weitere Möglichkeit sind höhenverstellbare Toiletten. Diese können vor allem dann eingesetzt werden, wenn mehrere Personen, im selben Haushalt die Toilette nutzen. Je nach Anbieter können diese 7-10 cm stufenlos angepasst werden. Mit einem Knopfdruck fährt der Motor das WC auf die gewünschte Höhe und wieder zurück.

In dieser Tabelle sind alle notwendigen, zu beachtenden Maße zusammengefasst:

Eine Tabelle die als Planungshilfe für Toiletten beziehungsweise Wcs dient

Bodengleiche Dusche

Die Besonderheit einer ebenerdigen bzw. bodengleichen Dusche ist, dass die Duschwanne plan mit dem Badezimmerboden, ohne Schwellen, abschließt. Diese finden sich nicht nur in barrierefreie bzw. rollstuhlgerechte Bäder, sondern entwickeln sich immer mehr zur Standard-Ausstattung in einem Neubau.

Auch hier gilt: Nicht jede bodengleiche Dusche ist automatisch barrierefrei nach DIN 18040-2. Eine Dusche gilt als barrierefrei, wenn diese mindestens 1.20 m x 1.20 m misst. Zudem muss diese mit einem rutschhemmenden Boden ausgestattet sein.

Rollstuhlgerecht ist die Dusche, bei Mindestmaßen von 1.50 m x 1.50 m. So genießt die rollstuhlsitzende Person über mehr Bewegungsspielraum.

In beiden Fällen ist es empfehlenswert, eine Zugangsschwelle von 2 cm nicht zu überschreiten und eine leichte Neigung herzustellen. Weiter können Duschklappsitze, Haltegriffe und Armaturen in entsprechender Höhe angebracht werden.

Hier eine Tabelle die als Planungshilfe für den Duschbereich dient

Barrierefreies Bad planen: Badewanne

Auch bei der Badewanne müssen bestimmte Auflagen erfüllt werden. Ähnlich wie bei der bodengleichen Dusche gilt auch hier die DIN 18040-02. Rollstuhlgerecht wird die Badewanne, wenn diese eine Bewegungsfläche von 1.50 m x 1.50 m vorweist. Zwei Punkte sind hier besonders zu beachten:

  • Barrierefreier Zugang in die Badewanne;
  • Hilfsmittel beim Aufstehen und Niedersetzen.

Eine Lösung ist die Wahl einer Duschbadewanne mit einer integrierten Glastür, welche einen barrierefreien Zugang bietet und mit einem automatischem Hebesitz, welcher mit einem einfachen Tastendruck die Steuerung des Sitzes gestattet. Dieser ermöglicht das gleiten von der geraden, aufrechten Sitzposition bis zur Liegeposition.

Zusätzlich sind spezielle Liftsysteme möglich, mittels denen Menschen mit körperlichen Einschränkungen, der Einstieg in die Badewanne erleichtert werden kann. Hierfür wird erheblich mehr Platz benötigt.

Ein mit Edificius erstellter Schnitt eines barrierefreien Bads mit Blick auf Waschbecken und Türe

Beispielprojekt eines barrierefreien Bades: Mit Edificius erstellter Schnitt

Halte-/Winkel- und Stützgriffe oder Haltestangen

Eines der besonderen Elemente in einem behindertengerechten Bad sind Halte-, Winkel- oder Stützgriffe. Diese ermöglichen mehr Komfort und Sicherheit beim Aufstehen, Hinsetzen und Stehen. Es sind verschiedene Lösungen für diverse Einsatzmöglichkeiten möglich:

  • Haltegriffe sind grundsätzlich zum Festhalten gedacht. Sie werden meist waagerecht angebracht;
  • Winkelgriffe (oder Winkelgriffe 90°) sind Haltegriffe die durch einen rechten Winkel gebogen sind;
  • Seitenwandgriffe (oder Winkelgriffe 135°) sind Haltegriffe welche um 135° gebogen sind;
  • Stützgriffe oder Stützklappgriffe werden fest an die Wand montiert und ragen im 90° Winkel in den Raum und können starr aber auch hochklappbar sein und gesichert werden.

Haltestangen sind länger und sind dafür gedacht an diesen entlang zu laufen.

Alle Griffe benötigen ca. 5cm Abstand zur Wand. Außerdem sollten diese einen Durchmesser zwischen 3cm und 5cm haben, um diese leichter zu umfassen.

Je nach Material, Verarbeitung und Anbringung können diese bis und mit 200kg belastbar werden. Meist bestehen diese aus Materialien denen Feuchtigkeit nichts anhaben kann, wie z.B. rostfreiem Edelstahl und belastbare Kunststoffe wie Polyamid.

Auch bei der Befestigung gibt es verschiedene Möglichkeiten: die feste Installation durch Dübel und Schrauben, das Kleben (z.B. in Mietwohnungen) oder die Anbringung mithilfe von Saugnäpfen (z.B. für Reisen geeignet). Vor der Montage sollten Wände immer auf Ihre Tragfähigkeit überprüft werden.

Ein mit Edificius erstellter Schnitt eines barrierefreien Bads mit Blick mit Sicht auf Stützklappgriff WC Waschbecken und Haltestange

Beispielprojekt eines barrierefreien Bades: Mit Edificius erstellter Schnitt

Barrierefreies Bad planen: Zuschüsse und Förderungen

Ein barrierefreies Bad kostet um einiges mehr als ein herkömmliches Bad. Diesbezüglich gibt es einige Förderungsmöglichkeiten, die genutzt werden können:

  • KfW-Förderung: Bund, Länder und Kommunen verfügen über zahlreiche Förderprogramme. So können beispielsweise Einzelmaßnahmen zu einem barrierefreien Bad im Rahmen des Programms 455 „Altersgerecht Umbauen“ mit bis zu 6.500€ unterstützt werden. Darüber hinaus sind günstige Kredite für den Umbau möglich.
  • Pflegekasse: Auch die Pflegekasse vergibt Zuschüsse. Sofern ein Haushaltsmitglied über ein Pflegegrad verfügt, kann bei der Pflegeversicherung, für den barrierefreien Umbau des Bads, bis zu 4.000€ an Zuschussgelder beantragt werden.
  • Krankenkasse: Die Krankenkasse übernimmt die Kosten für bestimmte Hilfsmittel sofern diese Ihnen selbst oder der Person die Sie in Ihrem Haushalt pflegen ärztlich, verschieben wurden. Hierfür ist die Voraussetzung, dass die Anschaffung ein anerkanntes Hilfsmittel (im Hilfsmittelverzeichnis) ist z.B. Stützklappgriffe, Badewannensitze, usw.
Rendering eines Beispielprojekt von einem barrierefreien Bad

Beispielprojekt eines barrierefreien Bades – Mit Edificius erstelltes Rendering 

 

3D-Objekte und -Blöcke für barrierefreie Badezimmer

In unserer BIM-Objekte Bibliothek können alle Austattungselemente, die Sie für Ihr Projekt benötigen, kostenlos downloaden, inklusive derer die wir in unserem Projekt verwendet haben.

Ein Bild welches die Website unserer BIM Objekte Bibliothek anzeigt und von der aus alle Objekte für das Projekt heruntergeladen werden können

Download barrierefreies Bad: DWG-Pläne und 3D-Modell

Folgend eine Reihe von DWG-Plänen eines barrierefreien Bads und dass mit Edificius erstellte 3D-Modell, zum kostenlosen Download.

Download der DWG-Plänen (.zip-Dateien) des Projekts

 

Download des 3D BIM-Modells (.edf-Datei) des Projekts

 

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