China entwickelt sich schnell zu einem der Länder mit der größten Verbreitung von Building Information Modeling: Hier drei der ersten Projekte, die mit BIM-Anwendung in China realisiert wurden

BIM hat sich in den letzten Jahren in China sehr verbreitet. Seit dem Jahr 2016 konnte man einen erhöhten Nutzungsgrad der BIM-Verwendung seitens Architekten und insbesondere der chinesischen Unternehmen sehen.

Die Anzahl der Architekten, die diese Methodik für einen Teil ihrer Projekte einsetzt, ist um 89% gestiegen, während für Unternehmen diesen Anstieg sogar 108% erzielt hat. Dieses Wachstumsniveau zeigt eindeutig, dass der BIM-Methode großen Wert zugeschrieben wird.

Die chinesische Zentralregierung hat sich besonders für Building Information Modeling und dessen Effizienz interessiert. Durch die sorgfältige Befolgung von Beispielen, wie z.B. des Vereinigten Königreichs, der Vereinigten Staaten und anderer Länder, wurde beschlossen, von diesen Erfahrungen zu profitieren. Auch wenn die BIM-Methodik noch nicht verbindlich ist, wird ihre Anwendung gefördert.

China ist eine sehr große Nation, die in Provinzen unterteilt ist. Dies hat zu einer regulatorischen Fragmentierung auf lokaler Ebene geführt. Dennoch wurde das BIM in China mit großer Begeisterung aufgenommen.

Der allgemeine Trend geht in Richtung einer großen Verbreitung und sehr schnellen Einführung von BIM in China im Vergleich zu langjährigen aktiven Märkten wie die des Vereinigten Königreichs.

In diesem Artikel werden wir 3 Projekte beschreiben, die zu den ersten Beispielen von BIM-Anwendung in China gehören und können daher als wegweisend und einflussreiche Faktoren für die Verbreitung dieser neuen, innovativen Technologie angesehen werden.

 

Shanghai Tower

Das erste Projekt, das mit BIM erstellt wurde, ist der Shanghai Tower mit seinen 128 Stockwerken. Das 632 Meter hohe Gebäude wurde auf einem ehemaligen Golfplatz entwickelt und ist die höchste Struktur Chinas (und das zweithöchste der Welt) die das Flaggschiff des Finanzplatzes repräsentiert.

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Shanghai Tower

Um der Windstärke entgegenzuwirken, wurde der Turm asymmetrisch mit abgerundetem Eckenprofil entworfen. Nach dem Windkanaltest wurde die Form perfektioniert, was zu einer Reduzierung der strukturellen Windbelastung um 24% im Vergleich zu einem rechteckigen Gebäude mit vergleichbarer Höhe führte.

Diese Konfiguration erforderte mehr als 20.000 Modulen für die Vorhangfassaden mit etwa 7.000 verschiedenen Formen. Die Fassaden begünstigen das natürliche Licht und wirken auch als „Isolierabdeckung“, um Energie zu sparen. Dieses System erwärmt im Winter die kalte Außenluft und leitet im Sommer die Wärme von innen ab.

Das US-Architekturbüro Gensler leitete das Entwurfsteam und arbeitete von Anfang an in einer BIM-Umgebung.

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Detail der Spitze des Shanghai Towers

Der BIM-Implementierungsprozess des Projekts wurde von einem Team von nur drei Personen verwaltet, die die Auswirkungen auf die Gesamtkonformität des Projekts und Lieferzeiten überwachte. Die erhöhte Kontrolle konnte dazu beitragen, die Bauzeiten auf nur 73 Monate (ca. 6 Jahre!) für eine 576.000 m² Grundfläche zu begrenzen (etwa 30% schneller als ähnliche Konstruktionen).

Integriertes Arbeiten und optimierte Zusammenarbeit wurden ebenfalls als wesentliche Vorteile des BIM-Prozesses angeführt.

Gensler mit Sitz in San Francisco leitet ein Team von Statikern und Servicetechnikern der ganzen Welt und teilt seine Informationsmodelle in einer gemeinsamen Datenumgebung (CDE – Common Data Environment), so dass alle Beteiligten im virtuellen Projektkontext kommunizieren können.

Der Turm, der innen aus neun zylindrischen, aufeinandergestapelten Segmenten besteht und von einer Glasfassade eingefasst ist, verfügt über eine äußere Fassade die sich nach oben verdreht. Die Darstellung dieser Struktur wäre mit 2D-Werkzeugen unmöglich gewesen. Deshalb konnte das Team von der Fähigkeit profitieren, das Design und die Umgebung in dreidimensionaler Form zu visualisieren und zu verstehen.

Phoenix Media Center, Peking

Das zweite Projekt, mit dem wir uns befassen (65.000 m²), ist die neue Zentrale von Phoenix Television in Peking.

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Phoenix Media Center, Peking

Die einzigartige nichtlineare Form des Gebäudes wurde vom Beijing Institute of Architectural Design (BIAD) entwickelt. Die außergewöhnliche Form erforderte einen fortgeschrittenen Ansatz des Projektteams mit detaillierter 3D-Modellierung.

Das Gebäude besteht aus zwei Türmen, die mit Glas- und Stahlplatten umhüllt sind. Die Architekten wurden von der verdrehten Form eines “Möbiusbands” inspieriert. Die äußere Gebäudehülle besteht aus einem „verlängerten“ Stahlnetz und 3.800 Glasscheiben unterschiedlicher Größe, welche Wege und Treppen verschließen und Büros und Studios verbinden.

Ein großer Vorteil wurde durch die Möglichkeit angeboten, nicht-grafische Informationen in einer gemeinsamen Datenumgebung (CDE) auszutauschen und zu integrieren, um die mit dem Projekt verbundenen kritischen Punkte zu beseitigen, Zeit zu sparen und die Qualität im Vergleich zu herkömmlichen Methoden zu erhöhen.

Das Ergebnis ist eine Struktur, die sich auf die Skyline von Peking, mit einem leistungsstarken digitalen Modell auswirkt, an dem für die Planung und Analyse des Strukturmanagements gearbeitet werden kann. Gebäudesicherheit, Energieverbrauch und Instandhaltung basieren alle auf Daten des digitalen Modells.

Shanghai Disneyland Resort

Das dritte Projekt, mit dem wir uns befassen, ist das Disney Resort, das vom Walt Disney Imagineering (WDI) Team, im Shanghai Park realisiert wurde.

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Shanghai Disneyland Resort

Die gewölbte Überdachung, die die Komposition des Raumes beherrscht, bietet der kurvenreichen Achterbahn, als auch den Gästen, Schutz vor Regen und starkem Sonnenlicht. Mechanische Systeme zum Kühlen und Heizen der Außenräume sind minimal eingesetzt, wobei stattdessen die natürliche Belüftung maximiert wurde.

Mehr als 70% der Gebäude wurden in einer BIM-Umgebung entwickelt, wobei die Effizienz durch die gleichzeitige Umsetzung zahlreicher Projekte erreicht wurde. Der Vorteil der Zusammenarbeit hat es dem Projektteam ermöglicht, auf die gleichen Ressourcen zuzugreifen und die Kenntnisse innerhalb eines „Ökosystems“ von BIM-fähigen Projekten zu unterstützen, zusammenzuarbeiten und zu teilen.

Ein weiterer Vorteil des BIM-Einsatzes für ein solches umfangreiches Projektbestand darin, die WDI in über 140 verschiedenen Disziplinen zu integrieren, die am Projekt beteiligt waren, wie lokale Planungsbüros und Auftragnehmer.