Es wird immer mehr über HBIM gesprochen, aber was ist damit gemeint? Welche Vorteile nimmt diese neue Methode mit sich

Die Geschichte des Bauwesens spiegelt die Geschichte der Menschheit und der Gesellschaften wieder, deshalb ist es auch wesentlich, historische bestehende Gebäude zu sanieren durch: Neuqualifizierung bzw. Energierückgewinnung und Restaurierung.

Die Möglichkeit, die BIM-Methode an historischen Gebäuden (HBIM) anzuwenden ist eine interessante Herausforderung sowohl im Bereich der 3D-Modellierung als auch in der Verwaltung/Aufwertung des Gebäudes.

Die Modellierung stellt darunter die größte Herausforderung dar, da es notwendig ist, einfache Methoden für die Erstellung von BIM Modellen zu entwickeln, die immer eine genaue, präzise und qualitative Darstellung sichern.

Darüber hinaus sollte das Modell mit Daten und Informationen angereichert werden, die nicht nur geometrisch sind, sondern auch historische Berichte, Verfall- oder Verformungsanalyse usw. beinhalten.

Was-ist-bim-historische-vorhandene-Gebäude

 

 

Was ist HBIM?

Der Begriff Historic Building Information Modeling, HBIM abgekürzt, wurde das erste Mal in 2009 in einem wissenschaftlichen Artikel von Professor Murphy vom Dublin Institute of Technology verwendet.

Unter HBIM versteht man eine neue Modellierungsart mit BIM-Methode von bestehenden Gebäuden. Es werden Modelle erstellt, welche intelligent und fähig sind, Informationen zu enthalten. Diese Modelle beziehen sich auf alle Komponenten des Projekts und beinhalten ihre geometrischen und identifizierenden Informationen sowie alle physikalischen Eigenschaften, die sie im Detail beschreiben.

Die ersten Versuche von BIM-Modellen wurden auf bestehenden historischen Gebäuden und monumentalen Werken durchgeführt. Ziel war es, einen Database mit Modellen zu erstellen, die für die Einfügung, Zugabe und Verbreitung von Informationen gedacht war. Ein Beispiel dafür ist die geometrische Darstellung der Volumen und thermischen Analyse.

Die Antwort auf die Frage „Was ist HBIM?“ ist also folgende: HBIM ist ein Prozess, der auf Denkmälen und bestehenden Gebäuden von der zweiten Hälfte des 20. Jh. anwendbar ist und der die BIM-Potenzialitäten deutlich erhöht. HBIM gibt sowohl digitale und geometrische 3D-Darstellungen wieder als auch intelligente und informationsreiche Modelle.

Mit HBIM wird nicht eine neue Entwurfsmethode definiert, sondern eine neue Arbeitsweise mit ihren jeweiligen Anwendungsmöglichkeiten. HBIM verleiht die Chance, bestehende Gebäude durch ein Modell zu entwerfen, das den Bau simuliert, um die Eigenschaften des Gebäudes so nah wie möglich zurückzugeben.

Die HBIM Modellierung startet mit einer Vermessung: In der Regel handelt es sich um eine digitale Vermessung, die mit Laserscanner oder eine Kamera für thermische Photogrammetrie erfolgt. Durch dieses Verfahren erhält man die Punktwolken, d.h. eine Menge von Punkten eines Vektorraums, die eine unorganisierte räumliche Struktur („Wolke“) aufweist und Attribute, wie geometrische Daten (Punkte in einem erdbezogenen Koordinatensystem) und Farbwerte erfasst. Jeder Punkt ist mit einer relativen Farbe verknüpft, die aus einem Foto stammt, das mittels Scanning aufgenommen wurde.

Was-ist-hbim-vorhandenes-Bauwesen-GIS-Vermessung

 

Mit HBIM setzt man darauf, BIM-Modelle von bestehenden Gebäuden zu erhalten, die mit informationsreichen und intelligenten Objekten bereichert sind, die aktualisiert, ersetzt und hinzugefügt werden können. Obwohl jedes Gebäude anders ist, können die Objekte für ähnliche Gebäude wiederverwendet werden, da diese parametrisch sind, d.h. dass sie Informationen enthalten die jeweils geändert werden können, sodass sich das Objekt jeder Situation anpassen kann.

Aktueller Zustand

Wenn BIM vielen Fachleuten heute noch unbekannt ist, ist HBIM noch weniger bekannt. Deshalb versucht man es zu verbreiten, indem die Database mit immer mehr Gebäudeteilen, architektonischen Stilelementen sowie ganzen Gebäuden und Baugruppen bereichert werden.

Was man in der Zusammenarbeit mit Universitäten erreichen möchte ist der BIM-Einsatz auf bestehenden Gebäuden, um historische Bauwerke bekanntzumachen.

Heute ist es bekannt, dass man aus einer Punktwolke mit einer bestimmten Resolution ein intelligentes und parametrisches Modell erstellen kann, das so viele Informationen wie möglich über das Gebäude enthält.

Was-ist-bim-historische-vorhandene-Gebäude-Punktwolken

 

Das Verfahren ist heutzutage noch sehr lang, da die BIM-Werkzeuge nicht für die Modellierung von bestehenden, sondern eher von neuen Gebäuden konzipiert wurde. Jetzt wird nach neuen Ideen und Prozessen geforscht, um das aktuelle Übergangsverfahren von Punktwolken bis hin zum Baumodell zu beschleunigen und automatisieren, ohne aber Daten- und Informationsverluste zu verursachen.

Ziele

HBIM setzt darauf, einen strategischen Einsatz auf dem zukünftigen Baumarkt zu haben, d.h. einen reichen Daten- und Informationsfluss unter den Fachleuten koordiniert zu verwalten sowie Ressourcen und Kosten zu optimieren.

BIM ist also nicht nur für die Modellierung von neunen und bestehenden Gebäuden wichtig, sondern kann in Zukunft ein strategisches Werkzeug werden, vor allem in den Entwicklungsländern, die reich an bestehenden Bauwerken sind und eine große architektonische, historische und denkmalische Bedeutung haben.