IFC und Klassifikationssysteme im Bauwesen
SfB, UniClass, UniFormat, MasterFormat, OmniClass: Alles, was Sie über IFC und Klassifikationssystemen im Bauwesen wissen sollten

Im Bereich des Building Information Modeling (BIM) ist das strukturierte Management von Informationen der Schlüssel zur Gewährleistung von Konsistenz, Interoperabilität und Datenqualität über den gesamten Lebenszyklus des Projekts. In diesem Kontext spielt die Klassifizierung eine zentrale Rolle: Sie ermöglicht es, Informationen eindeutig zu organisieren und zu codieren, was die Zusammenarbeit zwischen den verschiedenen Akteuren des Bauprozesses fördert und die Kommunikation zwischen unterschiedlichen Software- und Plattformen verbessert.
Aber was genau ist eine Klassifizierung im BIM und warum ist sie so wichtig in IFC-Modellen?
In diesem Artikel werden wir die wichtigsten Klassifizierungsmodelle vertiefen, die am weitesten verbreiteten Klassifizierungssysteme analysieren und herausfinden, wie sie in IFC-Modellen angewendet werden.
Schließlich werden wir sehen, wie ein IFC-Viewer es ermöglicht, Klassifizierungen direkt innerhalb eines 3D-Modells einfach zu erstellen, zu ändern und zu überprüfen.
Inhaltsverzeichnis
- Was ist eine Klassifizierung im BIM und warum ist sie grundlegend in IFC-Modellen?
- Klassifizierungsmodelle: hierarchisch-numerisch und analytisch-synthetisch
- Die am weitesten verbreiteten Klassifizierungssysteme im Bauwesen und deren Anwendung in IFC-Modellen
- Die Norm ISO 12006-2: allgemeiner Rahmen der BIM-Klassifizierungssysteme
- IFC und Klassifizierung: wie funktioniert IfcClassificationReference?
- Wie erstellt und ändert man Klassifizierungen in einem IFC-Modell?
- Überprüfen und Lesen der zugewiesenen IFC-Klassifizierungen
- Download der Beispieldatei
- FAQ zur IFC-Klassifizierung
Was ist eine Klassifizierung im BIM und warum ist sie grundlegend in IFC-Modellen?
Der Begriff Klassifizierung bezieht sich auf alle Aktivitäten oder Prozesse, die für das Wissensmanagement notwendig sind. Prozesse und Aktivitäten haben die Aufgabe, die Daten jeglicher Art, in dedizierte Kataloge (nach Klassen, Abschnitte, Kategorien oder Typologien) zu sortieren, welche durch Beziehungen und Verknüpfungen miteinander verbunden sind.
Damit ein Klassifizierungssystem gültig ist, muss es die folgenden Anforderungen erfüllen:
- Stabiliät: Es muss in jedem Kontext ohne wesentliche Änderungen anwendbar sein;
- Flexibilität: Es muss durch Hinzufügen neuer Teile erweiterbar sein.
Aristoteles war der erste, der ein System zur Wissensorganisation einführte, als er sich mit der Klassifizierung von Lebewesen befasste und diese in zwei Hauptgruppen d.h. für Pflanzen und Tiere und dann in weiteren Untergruppen teilte. Er war der erste Taxonom (aus dem Griechischen Taxi, Ordnung und Nomos, Gesetz), der Informationen in einer hierarchischen Struktur organisierte.
Im Allgemeinen bezeichnet Taxonomie ein Verfahren, in dem Objekte oder Konzepte hierarchisch, wie in einer Baumstruktur, organisiert sind. Die allgemeinste Kategorie wird durch einen Stammknoten dargestellt. Vom Stammknoten, durch die übergeordneten Kategorien bis hin zu den Unterkategorien gelangt man zu den Blattknoten, welche die Objekte detailliert darstellen.
Im Allgemeinen können die Objekte nach 2 Organisationsmodellen gruppiert werden:
- Hierarchisch-numerische Klassifizierung;
- Analytisch-synthetische Klassifizierung (oder Facettenklassifikation).
Klassifizierungsmodelle: hierarchisch-numerisch und analytisch-synthetisch
Wie funktioniert die hierarchisch-numerische Klassifizierung?
Das hierarchisch-numerische Klassifizierungssystem basiert traditionell auf der Taxonomie. Durch eine starre und eindimensionale, hierarchische Struktur mit starker vertikaler Entwicklung wird jedes Objekt, in eine einzige Kategorie eingeordnet. Alle Kategorien sind durch eine Untergruppenorganisation, wie in einem chinesischen Schachtelspiel, miteinander verbunden.
Jedes klassifizierte Objekt verfügt in dieser Hierarchie über eine eindeutige Position und kann über einen Stufenpfad gefunden werden, der von allgemeinen bis zu spezifischen Objekten ausgeht.
Beispiele, die zu dieser Klassifizierungstypologie gehören, könnten Stammbäume oder die Unterteilung von Büchern in Kapitel, Unterkapitel, Absätze, Sätze, Wörter, und Buchstaben sein. Dieses System impliziert jedoch eine gewisse Starre und Schwierigkeit bei Änderungen und Ergänzung neuer Objekte.

IFC und Klassifizierungssysteme im Bauwesen | Hierarchisches Schema mit Baumstruktur
Was ist die analytisch-synthetische Klassifizierung (oder „facettiert“)?
Dieses Klassifizierungssystem ist anpassungsfähiger, da es das enumerative und hierarchische System zugunsten einer Methodik verlässt, die aus flexiblen und offenen Schemata mit horizontaler Entwicklung besteht. Diese Schemata passen sich leichter an im Falle von nachfolgenden Änderungen.
Das zu katalogisierende Objekt ist konsequent, nicht mehr durch ein einziges übergeordnetes Merkmal beschrieben wodurch es dargestellt wird und dessen Position in einem bestimmten Punkt der Datenhierarchie angeordnet ist. Das Objekt wird gleichzeitig durch mehrere nicht überlappenden Merkmalen d.h. durch „Facetten“ (vom englischen Begriff facets – Aussehen) bezeichnet.
All dies stellt ein offenes System dar, welche bei Bedarf durch neue beschreibende Objektmerkmale erweitert werden kann.
Das ausführlich beschriebene Objekt, kann auf diese Weise durch mehrere Suchzugriffe, die durch ein einziges Merkmal oder durch die Aggregation mehrerer Merkmale identifiziert werden.

Erklärendes Beispiel für die Facetten-Klassifizierung
Die am weitesten verbreiteten Klassifizierungssysteme im Bauwesen und deren Anwendung in IFC-Modellen
In vordigitalen Zeiten, gab es verschiedene Versuche, um Informations- und Datenklassifizierungs-Systeme innerhalb der Bauindustrie zu kodieren. In einigen Fällen hängen diese mehr an das hierarchisch-numerische Modell, als an das „Facetten“-Modell ab; oder es sind beide inbegriffen.
In diesem Fokus analysieren wir einige der bekanntesten Klassifikationssysteme, wie z.B:
- SfB (Samarbetskommitten for Byggnadsfragor)
- UniFormat;
- MasterFormat;
- Uniclass;
- Omniclass.
SfB (Samarbetskommittén för Byggnadsfrågor): „tabellarische“ Struktur und kombinierbare Codes
Die erste Ausarbeitung des Klassifikationssystems der SfB (Samarbetskommitte for Byggnadsfragor) entstand in den 1940er-Jahren in Schweden. Dieses Klassifikationssystem, welches aktualisiert und weiterentwickelt wurde, stellt bis heute für versschieden Länder, eine wichtige Grundlage für den Klassifikations- und Kodierungsplan des Bauwesens dar.
Die Funktionsweise des SfB-Plans kann durch „Facetten“ definiert werden: In der Tat kann jeder einzelne Teil oder Komponente des Projekts in 4 Leseebenen unterteilt werden, die durch „Tafeln“ identifiziert werden.
| TAFELN | KLASSIFIKATION | CODE | |
| Tafel 0 (Natürliche und gebaute Umwelt) | Gebietsplanung und Gebäudetypologien | Zahlenpaar | |
| Tafel 1 (Bauelemente) | Gebäudeteile | In Funktion und Reihenfolge Ihrer Realisierung | Zahlenpaar in runden Klammern |
| Tafel 2 (Bautätigkeiten) | Typ der Verarbeitung | In Bezug auf das physische Erscheinungsbild der Materialien die zu Ihrer Herstellung benötigt werden | Großbuchstabe |
| Tafel 3 (Bauwesen- Ressourcen) | Materialtyp | In Bezug auf Ihre Art | Kleinbuchstabe + Nummer von 1 bis 9 |
| Tafel 4 (Aktivitäten und Anforderungen) | Bautätigkeit und Ressourcennutzung | Großbuchstabe in runden Klammern |
Jedes Merkmal, das zu einer der 4 Tafeln gehört, ist mit einem Code gekennzeichnet.
Die Code-Zuordnung, zu jedem Merkmal ermöglicht eine eindeutigere Identifizierung von Subjekten und Aktionen. Die Möglichkeit die Tafeln untereinander zu verknüpfen, lässt neue Kombinationen von Daten-Klassifizierungen erzielen, die obwohl noch nicht vorhanden, dennoch möglich sind.
Praktisches Beispiel der SfB-Klassifizierung
Angenommen, dass wir einen SfB-Code des folgenden Typs haben:
52 (35) Rr1 (P)
Diesem Code entsprechen folgende Informationen:
- 52 entspricht den Gebäuden und Ausrüstungen für Aufführungen, aus der Tafel o;
- (35) bezieht sich auf Zwischendecken aus Tafel 1;
- R bezieht sich auf die Flachplatten und Paneele aus Tafel 2;
- r1 entspricht Ton, Gips, Magnesium und den plastischen Bindemitteln aus Tafel 3;
- (P) bezieht sich auf Geräusch und Ruhe aus Tabelle 4.
Der Code ist aus Zahlen und Buchstaben zusammengesetzt, die jeweils eine Verarbeitung, eine Ausrüstung, ein Material, einen Raum usw. anzeigen.
Diejenigen, die sich mit Verarbeitungen befassen (in diesem Fall die Realisierung einer Zwischendecke), werden nach Projektdokumenten suchen, die in Kombination mit der Tafel 1 den Code (35) beinhalten; der für die Akustik zuständige Techniker wird stattdessen auf den Dokumenten der Tafel 4 zugreifen, die den Code P enthält usw.
UniFormat: Klassifizierung von Bauelementen in Gruppen und Untergruppen (A10, A1010 usw.)
UniFormat wurde im Jahr 1973 in Amerika, als Klassifizierungs-Werkzeug von Bauelementen und deren Verarbeitung geboren. Dieses Klassifizierungssystem basiert auf 2 Elementen:
- Die Klassifizierungsstruktur ist hierarchisch-enumerativ;
- Die klassifizierten Objekte wurden nach Kostenverhältnis und Nutzungshäufigkeit ausgewählt.
Die UniFormat-Klassifizierung basiert auf drei Hauptebenen von Objekten:
- Ebene 1: beinhaltet die Hauptgruppen von Objekten (Fundamente, Gebäudehüllen und Trennwände);
- Ebene 2: stellt eine Aufteilung der ersten Ebene in Untergruppen dar;
- Ebene 3: spezifiziert die in der zweiten Ebene enthaltenen Objekte.
Folgend finde Sie eine Tabelle mit einigen Kategorien des UniFormat-Klassifizierungssystems.
| Level 1 Major Group Elements | Level 2 Group Elements | Level 3 Individual Elements |
| A – Substructure | A10 – Foundations | A1010 – Standard Foundations |
| A1020 – Special Foundations | ||
| A1030 – Stab on Grade | ||
| A20 – Basement construction | A2010 – Basement Excavation | |
| A2020 – Basement Walls | ||
| B – Shell (involucro) | B10 – Super Structure | B1010 – Floor Construction |
| B1020 – Roof Construction | ||
| B20 – Exterior Enclosure
| B2010 – Exterior Walls | |
| B2020 – Exterior Windows | ||
| B2030 – Exterior Doors | ||
| B30 – Roofing | B3010 – Roof Coverings | |
| B3020 – Roof Openings | ||
| C – Interiors | C10 – Interior Construction | C1010 – Partitions |
| Ecc. ecc. |
In der Tabelle ist die Unterteilung der Objekte von der größten Kategorie, bis zum Objekt im Detail mit verschiedenen Farben hervorgehoben, z.B.: Die Kategorie Substructure (Unterbau) ist mit einem Großbuchstaben A gekennzeichnet und wird in zwei Unterkategorien Foundations (Fundamente) und Basement construction (Untergeschoss) angegeben. Die Unterkategorie der Fundamente, ist mit dem Code A10 gekennzeichnet. Diese Kategorie umfasst das individuell Standard Foundations-Objekt (Standard-Fundamente), das mit dem Code A1010 gekennzeichnet ist.
Wie bei anderen Klassifizierungssystemen, wird jedem Objekt, ein alphanumerischer Code, entsprechend der spezifischen Informationsebene zugeordnet.
Es ist Zweifellos, dass dieses Klassifizierungssystem, die analytische Effizienz des wirtschaftlichen Aspekts des Produktionsprozesses begünstigt hat.
Die folgende Abbildung zeigt, wie ein beliebiges Objekt (z.B. ein Dach) eines IFC-Modells klassifiziert werden kann.
Mit dem kostenlosen usBIM.viewer+ können Sie selbst die Objekte eines beliebigen 3D-Modells (IFC, DWG, SKP usw.) klassifizieren. Öffnen Sie einfach eine beliebige Datei, (hier können Sie eine Beispieldatei herunterladen) und wählen Sie die Schaltfläche „Edit“ im Abschnitt „ Classification“ der Multifunktionsleiste.

IFC und Klassifikationssysteme im Bauwesen | Beispiel der UniFormat-Klassifikation mit usBIM.viewr+
MasterFormat: Klassifizierung nach Abteilungen und Abschnitten (Division 03 – Beton, Division 05 – Metalle usw.)
MasterFormat wurde im Jahr 1963 veröffentlicht und 1974 von den nordamerikanischen Forschungsinstituten CSI (Construction Specification Institute) und CSC (Construction Specification Canada) aktualisiert.
MasterFormat ist derzeit das am meisten verwendete Klassifizierungssystem in der Bauindustrie in den Vereinigten Staaten von Amerika und Kanada. Dieses Klassifizierungssystem verfügt über eine hierarchische Struktur und unterscheidet sich dadurch, dass obwohl diese in Gruppen und Untergruppen unterteilt ist, sie nicht nummeriert sind.
Stattdessen, sind die mit den Untergruppen verbundenen „Abteilungen“ nummeriert.
Jede Abteilung ist wiederum in „Abschnitte“ unterteilt, die durch eine sechsstellige Nummer gekennzeichnet sind und jederzeit erweitert werden können, ohne die allgemeine Reihenfolge des gesamten Systems zu ändern.
| Specifications Group | |
| General Requirements Subgroup | |
| Division 01 – General Requirements | |
| Facility Construction Subgroup | |
| Division 02 – Existing Conditions | |
| Division 03 – Concrete | |
| Division 04 – Masonry | |
| Division 05 – Metals | |
| Division 06 – Wood, Plastics and Composites | |
| Ecc. ecc. | |
| Process Equipment Subgroup | |
| Division 40 – Process Integration | |
| Division 41 – Material Processing and Handling Equipment | |
| Division 42 – Process Heating, Cooling, and Drying Equipment | |
| Ecc. ecc. |

IFC und Klassifikationssysteme im Bauwesen | Beispiel für MasterFormat-Klassifikation mit usBIM.viewr+
UniClass 2015 und OmniClass: fortschrittliche Systeme basierend auf facettiertem Schema und Interoperabilität mit IFC
Unter den fortschrittlichsten und am weitesten verbreiteten Klassifizierungssystemen im Bereich BIM stellen UniClass 2015 und OmniClass die Referenzmodelle für das strukturierte und interoperable Management von Bauinformationen dar.
Beide basieren auf einem facettierten Schema, das es ermöglicht, ein Objekt oder ein Konzept durch eine Kombination unabhängiger Merkmale (die „Facetten“) zu beschreiben, wodurch eine Flexibilität und Granularität der Analyse erreicht wird, die in rein hierarchischen Systemen unmöglich ist.
UniClass 2015, entwickelt im Vereinigten Königreich und bis zur aktuellen Version aktualisiert, ist ein dynamisches System, das auf 11 Tabellen (Komplexe, Entitäten, Aktivitäten, Räume, Elemente, Systeme, Produkte usw.) basiert, die eine konsistente Klassifizierung jeder Informationsstufe ermöglichen, vom Gesamtdesign bis zu den einzelnen Bauteilen. Jedes Element wird durch einen alphanumerischen Code identifiziert, der seinen Kontext, seine Funktion und seine Typologie beschreibt, was die Integration von Daten innerhalb von IFC-Modellen und die Interoperabilität zwischen Software und Disziplinen fördert. Dank seiner modularen und aktualisierbaren Struktur ist UniClass 2015 heute der Referenzstandard für die Digitalisierung von Bauprozessen im Vereinigten Königreich und für das Informationsmanagement von BIM-Modellen.
OmniClass hingegen ist das nordamerikanische Pendant zum britischen System. Abgeleitet von der Norm ISO 12006-2, besteht es aus 15 Tabellen, die den gesamten Lebenszyklus eines Bauwerks abdecken (von der Planung über das Management bis zur Stilllegung) und alles klassifizieren, was mit einem Projekt zu tun hat: Entitäten, Räume, Elemente, Produkte, Materialien, Prozesse und Berufsrollen. Die kombinatorische Natur der Tabellen ermöglicht es, eindeutige und skalierbare Codes zu erstellen, die an jedes Detailniveau anpassbar sind.
Beide Systeme integrieren sich perfekt mit dem IFC-Standard, der es ermöglicht, jeder Entität des Modells einen international anerkannten Klassifizierungscode zuzuordnen. Über die IFC-Editoren können Klassifizierungen von UniClass oder OmniClass direkt innerhalb des IFC-Modells hinzugefügt, geändert und gelesen werden, was eine gemeinsame Sprache zwischen Planern, Unternehmen und Managern gewährleistet.
Dank ihrer offenen, interoperablen und internationalen Standards konformen Struktur stellen UniClass 2015 und OmniClass heute die Grundlagen für einen wirklich kollaborativen Ansatz im BIM dar, indem sie Rückverfolgbarkeit, Datenstandardisierung und Effizienz über den gesamten Lebenszyklus des Projekts fördern.
Die Norm ISO 12006-2: allgemeiner Rahmen der BIM-Klassifizierungssysteme
Schließlich verweisen wir auf ISO 12006, die man die Mutter aller Klassifikationssysteme im Bauwesen definieren könnte. Die erste Version der ISO12006 wurde von der International Organization for Standardization entworfen und veröffentlicht, als noch keine internationalen Systeme zur Standardisierung von Klassifikationssystemen vorhanden waren. Folgend wurde die ISO 12006-2 im Einklang mit dem technologischen Fortschritt und der Entwicklung verschiedener Klassifikationssysteme überarbeitet, mit dem Ziel Strukturen bzw. Tabellen zu erstellen, anhand derer Typen, Elemente und Beziehungen nach einer bestimmten Spezialisierung klassifiziert werden können.
Diese Tabellen beschreiben den gesamten Bauprozess, von der Vorentwurfsphase bis hin zum Bau und zur Instandhaltung. Nachfolgend finden Sie einige Beispiele von diesen Tabellen.
A.1 Construction entities (by form)
- Buildings
- Pavements/landscaping
- Tunnels (and other underground constructions)
- Embankments, retaining walls, dams
- Tanks, silos usw.
- Bridges, viaducts usw.
- Towers, masts, superstructures
- Pipes, ducts, cables
A.2 Construction entities (by function or user activity)
- Hospital buildings
- Health centre buildings
- Footbridges
- Airport terminal buildings
- School buildings
- Und weitere
A.3 Construction complexs (by function or user activity)
Bis zu den Detailelementen
A.7 Elements (by characteristic predominating function of the construction entity)
- Floors
- Roofs
- Columns
- Und weitere
A.8 Designed elements (element bytype of work)
Zu den Beziehungen und Akteure, die die Bauprozesse verbinden.
A.10 Management processes (by type of process)
- Administrative management
- Financial management
- Marketing/sales management
- Und weitere
A.15 Construction agents (by discipline)
- Clients
- Architects
- Civil engineers
- Und weitere
Die ISO12006-2-Klassifizierungsmethode, ist die, einer hierarchischen Struktur, welche von allgemeineren Informationen bis hin zu detaillierteren reicht. Diese beschränkt sich jedoch auf die Bereitstellung von Grundprinzipien eines unvollständigen und nicht betriebsbereiten Klassifizierungssystems. ISO12006-2 wird derzeit in BIM-Standards nur als Grundlage verwendet.
IFC und Klassifizierung: wie funktioniert IfcClassificationReference?
Entitäten IfcClassification und IfcClassificationReference im IFC-Schema
Auch der IFC-Standard verwendet Tools für die Datenklassifizierung, um Informationen zu übermitteln, die im Bauprozess nützlich sind und nicht in der Standardsprache ausgedrückt werden.
Es ist offensichtlich, dass es in vielen Fällen erforderlich ist, dem Modell Informationen hinzuzufügen und die bereits vorhandenen Daten, die durch die Standards ausgedrückt werden, zu implementieren.
Dieser Vorgang beinhaltet die Verwendung einer Sprache, die nicht durch den IFC-Standard kodiert ist. In diesen Fällen muss daher das zu übernehmende Vokabular vereinbart und allen interessierten Beteiligten (während der Planung, Ausführung, Wartung und Betriebsende) bekannt gemacht werden.
Die IfcClassificationReference-Klasse ist eine Form der „leichten“ Klassifizierung, dank der es möglich ist, das Gebäude in Teile zu zerlegen (die nach der Typologie der gewählten Klassifizierung definiert werden.
Der Zweck der Klassifizierung kann verschiedener Typologie sein, z.B. kann es nützlich sein, die Lesbarkeit des Modells zu verbessern, indem man den Objekten Details hinzufügt, mit der Möglichkeit diese differenziert auszuwählen; indem man beispielsweise Einflügeligen- und Zweiflügeligen Fenstern eine differente Klassifizierung zuweist, um diese getrennt auszuwählen und ein detailliertere Darstellung, der mit „Fenster“-Objekten verbundenen Informationen zu erhalten.
Wie erstellt und ändert man Klassifizierungen in einem IFC-Modell?
Wie erstellt man neue Klassifizierungen in einem IFC-Modell? Besteht die Möglichkeit, es auf einfache Weise auszuführen?
Folgend finden Sie ein praktisches Beispiel, um zu sehen wie man vorgeht. Folgen Sie diese Schritte:
- Downloaden und installieren Sie kostenlos usBIM.viewer+;
- Klicken Sie auf Datei>Öffnen und wählen Sie die hochzuladende IFC-Datei;
- Um das Modell zu ändern, klicken Sie auf IFC>Bearbeiten;
- Wählen Sie (manuell oder durch Auswahlgruppen) die Objekte aus, denen eine Klassifizierung hinzugefügt werden soll;
- Klicken Sie aus der Symbolleiste, im Abschnitt „Klassifikationen“, auf Bearbeiten;
- Wählen Sie, im geöffneten Dialog den Klassifizierungstyp (Masterformat, Omniclass, Uniclass usw.) und die zugehörigen Unterkategorien;
- Klicken Sie nach Abschluss des Vorgangs, auf Bestätigen.

Animiertes GIF | Einstellen der IfcClassificationReference in usBIM.viewer+
Nachdem Sie das gewünschte Objekt ausgewählt haben, können Sie die gerade zugewiesenen Informationen in der Eigenschaften-Toolbox (rechts) lesen:
IfcClassificationReferenceverdeutlicht den Code, dem eine Informations-Typologie entspricht, die von uns hinzugefügt wurde;IfcClassificationverdeutlicht den angewendeten Klassifizierungs-Typ.
Da es sich nicht um eine Norm handelt, sollte stets beachtet werden, sich im Voraus zwischen den verschiedenen Interessengruppen, über den zu übernehmenden Klassifizierungs-Typ zu einigen, um den Informationsaustausch eindeutig zu gestalten.
Überprüfen und Lesen der zugewiesenen IFC-Klassifizierungen
Wenn Sie eine (von einer beliebigen Software generierte) IFC-Datei mit der Objekte-Klassifizierung erhalten, können Sie die Informationen wie folgt überprüfen:
- Öffnen Sie die Datei mit usBIM.viewer+;
- Wählen Sie ein Objekt;
- Lesen Sie in der Eigenschaften-Toolbox die folgenden Werte:
IfcClassificationReference, die den Code enthält;IfcClassificationdie das Klassifizierungssystem enthält.

Überprüfung der Objekt-Klassifizierung mit usBIM.viewer+
In der Abbildung oben sehen Sie, wie das ausgewählte Fenster mit dem Code Ss_25_30_95_26 klassifiziert wurde, der sich auf das UniClass 2015-System bezieht.
Download der Beispieldatei
Lesen Sie die Vertiefung: „openBIM-Standards“
FAQ zur IFC-Klassifizierung
Was ist eine Klassifizierung im BIM und warum ist sie grundlegend in IFC-Modellen?
Mit dem Begriff Klassifizierung bezieht man sich auf alle Aktivitäten oder Prozesse, die für das Wissensmanagement erforderlich sind, die Daten in geeignete Katalogisierungen (Klassen, Abschnitte, Kategorien oder Arten) ordnen, die durch Beziehungen und Verbindungen miteinander verbunden sind. Ein gültiges Klassifizierungssystem muss stabil und flexibel sein, um in jedem Kontext angewendet und mit neuen Teilen erweitert werden zu können. Im BIM ist die Klassifizierung in IFC-Modellen grundlegend, da sie es ermöglicht, Informationen eindeutig zu organisieren, die Kommunikation zwischen den verschiedenen Akteuren des Bauprozesses zu verbessern und die Interoperabilität zwischen Software zu fördern.
Was sind die wichtigsten Klassifizierungsmodelle, die im BIM verwendet werden?
Im Allgemeinen können Objekte nach zwei Hauptorganisationsmodellen gruppiert werden: der hierarchisch-numerischen Klassifizierung und der analytisch-synthetischen Klassifizierung (oder facettiert). Das erste Modell verwendet eine starre und eindimensionale Struktur, bei der Elemente hierarchisch unter einer einzigen Kategorie klassifiziert werden. Das zweite Modell hingegen ist flexibler und beschreibt jedes Objekt durch mehrere unabhängige Merkmale („Facetten“), wodurch das System anpassungsfähiger und offener wird.
Wie funktioniert die hierarchisch-numerische Klassifizierung?
Die hierarchisch-numerische Klassifizierung ist ein traditionelles System, das auf einer starren hierarchischen Struktur basiert, in der jedes Element zu einer einzigen Kategorie gehört. Die Kategorien sind durch Untergruppenbeziehungen verbunden, ähnlich wie in einem Stammbaum oder der Unterteilung eines Buches in Kapitel und Absätze. Jedes Element hat eine eindeutige Position in der Hierarchie und kann durch einen Pfad vom Allgemeinen zum Spezifischen verfolgt werden.
Was ist die analytisch-synthetische oder facettierte Klassifizierung?
Die analytisch-synthetische Klassifizierung, auch als facettiert bezeichnet, ist ein offenes und flexibles System, das ein Objekt durch mehrere unabhängige Merkmale (die „Facetten“) beschreibt. Jede Facette stellt einen Aspekt des Objekts dar und kann mit anderen kombiniert werden, um detailliertere Klassifizierungen zu erhalten. Dieser Ansatz ermöglicht es, sich leicht an Änderungen und neue Kategorien anzupassen, was die Suchfähigkeit und das Management von Informationen verbessert.
Was sind die wichtigsten Klassifikationssysteme im Bauwesen und wie werden sie in IFC-Modellen angewendet?
Die wichtigsten Klassifikationssysteme im Bauwesen sind SfB, UniFormat, MasterFormat, UniClass und OmniClass. Jedes basiert auf unterschiedlichen Logiken (hierarchisch-enumerativ oder facettenbasiert), kann jedoch in IFC-Modelle integriert werden, um Daten zu strukturieren und die Kommunikation zwischen Fachbeteiligten zu verbessern. Die Klassifikationscodes werden den Modellobjekten (Wände, Fenster, Fundamente usw.) zugeordnet, wodurch ihre Funktion klarer wird und erweiterte Abfragen sowie Analysen ermöglicht werden.
Was ist das System SfB (Samarbetskommittén för Byggnadsfrågor)?
Der SfB-Klassifikationsplan, der in den 1940er Jahren in Schweden entwickelt wurde, ist eines der ersten Klassifikationssysteme im Bauwesen. Er basiert auf einer facettenbasierten Struktur und organisiert die Projektelemente in vier Haupttabellen: Umfeld, Bauelemente, Bauaktivitäten und Ressourcen. Jede Eigenschaft wird durch einen Code gekennzeichnet, der die Identifikation erleichtert und die Verknüpfung mit anderen Tabellen zur Bildung neuer Klassifikationskombinationen ermöglicht.
Wie funktioniert das System UniFormat?
UniFormat ist ein US-amerikanisches System aus dem Jahr 1973, das Bauelemente und zugehörige Leistungen nach Gruppen und Untergruppen klassifiziert. Es verwendet eine hierarchisch-enumerative Struktur mit drei Hauptstufen (Gruppen, Untergruppen, Einzelelemente) sowie alphanumerische Codes wie A10, A1010 usw. Es ist besonders nützlich für Kostenschätzungen und die Organisation von Informationen in BIM-Projekten.
Was ist das System MasterFormat?
MasterFormat ist das in Nordamerika am weitesten verbreitete Klassifikationssystem, entwickelt vom CSI und CSC. Es organisiert Informationen in nummerierten „Divisionen“ (z. B. Division 03 – Beton, Division 05 – Metalle) und sechsstelligen „Sektionen“. Es wurde zur Verwaltung und Standardisierung technischer Spezifikationen konzipiert und kann mit IFC-Modellen integriert werden, um die Kommunikation zwischen Planern und Bauunternehmen zu verbessern.
Was ist der Unterschied zwischen UniClass 2015 und OmniClass?
UniClass 2015, entwickelt im Vereinigten Königreich, und OmniClass, verbreitet in Nordamerika, sind facettenbasierte Systeme, die eine Klassifikation anhand mehrerer unabhängiger Merkmale ermöglichen. UniClass 2015 umfasst 11 Tabellen (Complexes, Entities, Activities, Spaces, Elements, Systems, Products usw.), während OmniClass 15 Tabellen enthält, die den gesamten Lebenszyklus eines Bauwerks abdecken. Beide sind mit dem IFC-Standard interoperabel und stellen eine gemeinsame Sprache für Planer, Bauunternehmen und Betreiber dar.
Welche Rolle spielt die Norm ISO 12006-2 in BIM-Klassifikationssystemen?
Die Norm ISO 12006-2 bildet den internationalen Referenzrahmen für Klassifikationssysteme im Bauwesen. Sie liefert die konzeptionellen Grundlagen und Tabellen zur Klassifikation von Entitäten, Bauelementen und Bauprozessen nach einer hierarchischen Struktur. Obwohl sie nicht direkt als operativer Standard in BIM-Modellen verwendet wird, gilt sie als „Mutter“ moderner Klassifikationssysteme wie UniClass und OmniClass und gewährleistet Konsistenz sowie internationale Kompatibilität.
Wie funktioniert die Klassifikation in IFC-Standards?
In IFC-Standards wird die Klassifikation über die Entitäten IfcClassification und IfcClassificationReference verwaltet, die es ermöglichen, Modellobjekten zusätzliche Informationen zuzuweisen. Diese Klassen erlauben die Gliederung des Bauwerks nach dem gewählten Klassifikationssystem und verbessern die Lesbarkeit sowie die Objektauswahl. Beispielsweise können Fenster mit einem Flügel von solchen mit zwei Flügeln unterschieden werden, um Daten detaillierter zu analysieren.
Wie erstellt und bearbeitet man Klassifikationen in einem IFC-Modell?
Zur Erstellung oder Bearbeitung von Klassifikationen in einem IFC-Modell können Werkzeuge wie usBIM.viewer+ verwendet werden. Nach dem Öffnen der IFC-Datei wählt man „IFC bearbeiten > Edit“, markiert die zu klassifizierenden Objekte und klickt im Bereich „Klassifikationen“ auf „Bearbeiten“. Anschließend wird das gewünschte Klassifikationssystem (z. B. MasterFormat, UniClass, OmniClass) ausgewählt und bestätigt. Die zugewiesenen Informationen sind dann im Eigenschaften-Toolbox unter IfcClassificationReference und IfcClassification sichtbar.
Wie kann man die einem IFC-Modell zugewiesenen Klassifikationen überprüfen und auslesen?
Um die Klassifikationen einer IFC-Datei zu überprüfen, genügt es, diese mit einem IFC-Viewer wie usBIM.viewer+ zu öffnen, eine Entität auszuwählen und im Eigenschaften-Toolbox die Felder IfcClassificationReference (zugewiesener Code) und IfcClassification (verwendetes Klassifikationssystem) einzusehen. Dies ermöglicht die Kontrolle der Datenkonsistenz und erleichtert den Informationsaustausch zwischen den verschiedenen Projektbeteiligten.


